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Dienstag, 20. Januar 2015, 12:43

Ju 52/3m - »Manfred von Richthofen« (Siegmund, Hubert - Schreiber Bogen - 1:50) ERSTAUFLAGE 1960

Ju 52/3m - »Manfred von Richthofen« (Siegmund, Hubert - Schreiber Bogen - 1:50) ERSTAUFLAGE 1960

Das Referenz-Kartonmodell einer Junkers Ju 52/3m ist das Schreiber-Modell 71127
(als Folienmodell) mit Inneneinrichtung von Hubert Siegmund aus dem Jahre 1960.



Die farbliche Gestaltung und Benennung »Manfred von Richthofen« gilt als
Sonderausführung (gegenüber der sonstigen schwarz-aluminiumfarbenen Farbgebung).
Wobei die Original-Maschine mit der Kennung D-2527 wohl tatsächlich als eines der
Flugzeuge zu gelten hat, mit dem der Nazi-Verbrecher Hermann Göring »unterwegs« war.

Aus der Serie »Schreibers Meistermodelle«*) hat als einziges Modell diese Siegmund Konstruktion
die Jahre überdauert und erlebte lange nach Einstellung der eigentlichen Serie eine Neuauflage
in den frühen 1990er Jahren als »normaler« Schreiber Bogen in Standardformat und Standard-
aufmachung.
Die silberfarbene Oberfläche und die nachempfundene Wellblechstruktur wurden der Neuauflage
natürlich mitgegeben - allerdings technisch anders gelöst, als bei der Erstauflage 1960 - und
mit matter Oberfläche.

Dieser Beitrag befasst sich mit der Erstauflage von 1960 - die heute wohl nur noch antiquarisch
zu bekommen ist. 1972 gelangte ich in den Besitz von drei Exemplaren aus der 1960er Auflage.
Allerdings nur über persönlich-freundschaftliche Kontakte zum Hause JFS – denn bereits zu
Beginn der 1970er Jahre war das Modell verlagsseitig vergriffen, eine Neuauflage nicht geplant.
(Unter anderem deswegen, weil das Werkzeug zur Erzeugung der Wellblech-Imitation bereits
seit Mitte der 1960er Jahre nicht mehr zur Verfügung stand - wie mir Rolf Bianchi anläßlich
der Vorarbeiten zur Neuauflage erklärte).

Wie alle Modelle der Serie Schreibers Meistermodelle ist auch dieser Modellbogen im Format ca. 365 × 245 mm quer:



Damals zierten die Titelbilder der Schreiber Bogen noch keine farbigen Studio-Fotos gebauter Modelle - in diesem Falle
dafür eine schöne Künstler-Grafik, die dem Modell weitestgehend entspricht und eine ikonographische 3-Seiten-Ansicht.

Das Modell wird mit einem Umfang von vier Bogen auf dem Titelbild (und im damaligen Katalog) beschrieben; was sich
aber sehr wahrscheinlich nur auf die »Folienbogen« bezieht — tatsächlich sind es ACHT Bogen ....

Die Vier »Folienbogen« haben in der Erstauflage ein Querformat von 495 × ca. 230 mm, gefalzt auf ca. 360 × ca. 230 mm – Stärke 0,2 mm
Die - ebenfalls vier - Bogen mit den Bauteilen die keines Metalleffektes bedürfen, bestehen aus ca. 200 g/qm Bilderdruck, weiss,
einseitig glänzend und haben ein nahezu quadratisches Format von 430 × 360 mm, gefalzt auf ca. 360 × ca. 230 mm



Zwei der »Folienbogen« sind mit Hilfe einer Kalandrierwalze mit einem Effekt versehen, der die Wellblechstruktur
des Originalflugzeugs überzeugend nachempfindet. Mit gewissen Einschränkungen natürlich.
Aber zum Zeitpunkt seines Erscheinens (1960) war dieser Modellbogen in dieser Aufmachung das beste, was seinerzeit
modellbogenmässig in den Modellspielwarenhandlungen zu bekommen war.
Und da zur der Zeit überhaupt nur zwei Verlage in der BRD Modellbogen veröffentlichten — und die Vorliebe des
Rezensenten damals eindeutig beim norddeutschen Vertreter der Zunft lag — war DIESES Modell gleichzeitig
auch das erste Schreiber Modell in meinem damaligen (Ich kann das nicht anders sagen) »Jugendzimmer«.



Die Materialkomposition, die sich hinter dem Begriff »Folienbogen« verbirgt, bedarf einer kleinen technischen Erläuterung:

• Grundmaterial war seinerzeit ein ca. 130 g/qm Offset-Karton, GANZFLÄCHIG aluminiumfarbig matt bedruckt;
darauf dann der 2-farbige Druck der Modellkonstruktion
• darauf kaschiert eine dünne, hochglänzende Kunststoff-Folie.

Der Wellblech-Effekt (siehe oben - zahlreiche parallele Rillen, 14 Rillen/cm) erzeugte eine Kalandrier-Walze.
OHNE diesen - auch heute noch - atemberaubenden Effekt zu schmälern wäre dieser Veredelung
nur ein einziges winzigkleines Wermutströpflein zu attestieren:
• Die parallele Rillung (=Wellblechstruktur) folgt nicht den Krümmungen der Rumpfgeometrie.



Von Zeit zu Zeit wird kolportiert, dass die Schreiber Folien Modelle eine Art »Antwort« auf die
Folienmodelle des damaligen Verlages Junge Welt in der DDR gewesen wären. Das ist natürlich eine schöne
Geschichte - untermauert durch die bekannten langjährigen Geschäftsbeziehungen zwischen
JFS und JW - aber eben nur eine Geschichte. Belege in den Archiven gibt es dafür keine.
Nicht nur der VÖLLIG UNTERSCHIEDLICHE Bedruckstoff beider Folien-Modell-Kollektionen**)
spricht dagegen ...

1972 hatte ich Gelegenheit dieses Modell zu bauen und erinnere mich mit großer Freude
daran. Die gesamte Produktion inkl. der sechsseitigen Bauanleitung empfand ich als
vorbildlich. Man spürte förmlich die absolute Sorgfalt, mit der dieses Modell von jedem
der daran Beteiligten produziert wurde ... eine Qualität, die man heute bei keinem
Modellbogen in dieser Form mehr findet ... gut, 1960 ist seit 55 Jahren »Vergangenheit«.
Aber die seinerzeitigen Qualitätsstandards wurden leider nicht weiter entwickelt ... Schade!
Denn eine Modellbogenproduktion, die heute ähnliche Qualitätsstandards aufweist, wie die
damalige, ist mir nicht bekannt.
(Wobei es mir ein Mysterium ist, wie es ein anderer deutscher Modellbogenverlag fertig bringt,
sich bis zur nahezu vollständigen Bedeutungslosigkeit selbst zu demontieren. Aber DAS wäre
auch eine andere Geschichte. Und hat mit diesem Modell hier nichts zu tun.)



Wer hofft (oder befürchtet) im folgenden einen Baubericht zu finden, den muss/darf ich
enttäuschen oder beruhigen - je nach Blickwinkel. Das 1972 gebaute Modell hat
spätestens den zweiten Umzug nicht überstanden und die beiden verbliebenen
Exemplare werden als »Wertpapier« weiterhin unberührt in meinem Archiv bleiben.
Vom »ersten« Zusammenbau gibt es auch keine Fotos.
Jaja - irgendwo ein paar S/W-Negative — aber WAS hilft das?

Man soll zwar nie »nie« sagen. Aber WENN überhaupt, dann würde ich ein Modell nur aus
der aktuellen Auflage zusammensetzen.

Die (für mich) immer noch ungeklärte Frage ist, warum Ende der 1950er Jahre damals zwischen Gerhard Schreiber
und Hubert Siegmund vereinbart wurde, gerade DIESE Ausführung der Ju 52/3m darzustellen.
Die rote Ausführung war auch 1959 »exotisch«; erheblich populärer dagegen die Alu/schwarze Ausführung.
Und die »Rote Ausführung« wurde auch erst nach 1980 in Sinsheim ausgestellt ... dort einen
Zusammenhang zu suchen, das wäre schon von sehr weit hergeholt ... aber eine schöne Geschichte wäre das auch.



Anmerkungen:
*) »Schreibers Meistermodelle« war(en) eine Reihe detaillierter Modelle aus der Luft-/Raumfahrt die alle einen
gegenüber der regulären Schreiber-Bogen-Kollektion deutlich erhöhten Detaillierungsgrad besassen.
Die innerhalb der Reihe veröffentlichten Modelle waren leider allesamt rein militärischer Natur und dürfen als bekannt
vorausgesetzt werden. Diese Ju 52/3m bildet da eine gewissen Ausnahme, da deren ursprünglicher Bestimmungs-
zweck nicht rein militärisch war.
Das Modell »Hawker Sea Hawk« aus dieser Reihe ist übrigens dieselbe Konstruktion die im damaligen LEHRMITTELINSTITUT
WILHELMSHAVEN als Wilhelmshavener Modellbaubogen erschien, und heute noch zu haben ist (MÖWE Verlag No. 1613).
Weitergehende Informationen finden sich in den einschlägigen Veröffentlichungen des AGK.
Die systembedingten Nachteile der Folienmodelle der Kollektion »Schreibers Meistermodelle« sollten beschrieben werden:
Die Kaschierung mit Hochglanzfolie verlieh dem Kartonmaterial eine so hohe Steifigkeit und starke Rückstellkraft, dass eine
saubere Ausformung erheblich erschwert wurde. Der flächendeckende Metalleffekt-Unterdruck beschränkte die
Farbigkeit des Drucks erheblich! Dies, in Gemeinschaft mit der hochglänzenden Oberfläche, verlieh den Modellen
ein doch eher etwas unrealistisches Aussehen - den ausgefeilten Konstruktionen mit ihrem hohen technischen Niveau
zum Trotz.

**) Im Unterschied zu dem Material für »Schreibers Meistermodelle« bestand der Bedruckstoff der Modelle aus dem
Verlag Junge Welt aus einem Karton, der mit einer wenige µ starken Aluminiumfolie kaschiert war. Somit bestand
die Oberfläche hier tatsächlich aus echtem Metall - mit denselben technisch bedingten Schwächen behaftet (s.o.).
Die Bedruckung der Materialkombination Karton-Aluminium dürfte technisch problematisch gewesen sein und war
wahrscheinlich NICHT im Offsetverfahren möglich. Der optische Effekt erinnerte auch eher an Chrom.
Interessant war/ist allerdings, dass Junge Welt häufig deckende Bedruckungen in Weiss vornahm (was für z.B. Siebdruck
spräche) die die Jahre nur unter günstigen Bedingungen überstanden.
Grundsätzlich sind Junge Welt Folienmodelle heute in einem weniger guten Erhaltungszustand zu finden als die gleich alten
Schreiber Folienmodelle - die Ursache ist rein technisch! Auf Metallfolie liegt die Druckfarbe nur auf und ist daher
gegenüber mechanischer Beanspruchung wenig widerstandsfähig.
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